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Review: Get Even – Gedankenspiele mit dem Punisher6 min read

22. Juni 2017 4 Minimale Lesezeit

Review: Get Even – Gedankenspiele mit dem Punisher6 min read

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Zwei Jahrzehnte in neun Stunden

Get Even ist bizarr. Ohne Kontext oder Anhaltspunkte werden Spielende in die Handlung geworfen. Der Protagonist Black, dessen Name nicht nur an Reservoir Dogs und Frank Castle erinnert (Verbindungen, die sich später als gar nicht so abwegig herausstellen), weiß ebenso wenig wie Spielende. Es gibt nur diffuse Quests und nebulöse Informationshappen. Es geht um ein Anästhetikum, ein entführtes Mädchen, mehrere Morde, einen Drogendeal, einen Diebstahl und eine suspekte Firma, die Waffen für Kriege herstellt. Viel wird thematisiert, aber lange nicht aufgelöst. Alles, was Spielenden bleibt, sind die eigenen Mutmaßungen und die Zweifel – ähnlich wie Black. Dabei ist die jeweilige Handlungsebene besonders am Anfang überhaupt nicht transparent. Befindet sich Black in einer Erinnerung? Einem Traum? Einem Paralleluniversum? In der Wirklichkeit?

Schon bald stellt sich heraus, dass seine Gedanken mittels eines Geräts auf seinem Kopf visualisiert werden. Es entsteht eine virtuelle Realität seiner Erinnerungen. Gleichzeitig scheinen wir uns in einem verlassenen Asylum zu befinden, in dem der Doktor davon überzeugt war, dass er die Patienten auf (wie sollte es anders sein) grausame Art und Weise heilt. Black reist zusätzlich durch zwei Jahrzehnte und erlebt Ereignisse aus all den Jahren, die dazwischen liegen, nicht wissend, ob er seinen eigenen Erinnerungen trauen kann oder wie diese zustande gekommen sind.

Seid ihr schon verwirrt?

Einmalige Atmosphäre und Ästhetik

Bewusstseinsverändernde Substanzen und die Illusion eines Drogentrips ziehen sich durch Get Even wie ein roter Faden. Das Spiel will wie eine alternative Erfahrung wirken und erweiterte Denkmuster provozieren. Das funktioniert nur insofern, als dass es im Großen und Ganzen eine gleichzeitig bekannte, aber auch vollkommen neue Erfahrung ist, möglicherweise der kreative Anstoß, den andere brauchen, um von den gewohnten Pfaden des Game Design abzuweichen. Leider ist Get Even oft sehr sprunghaft und unzusammenhängend, allein die Gedächtnislücken sowie visuelle und auditive Halluzinationen sind auf den Punkt gebracht.

Get Even

Ein gewaltiger Pluspunkt für Get Even ist die Ästhetik. Angenehme und passend gewählte Farbpaletten beeinflussen maßgeblich die Stimmung des jeweiligen Settings. Die Musik ist unheimlich klischeehaft, aber auch sehr effektiv. Sie macht viele Situationen um einiges gruseliger und weckt eine Erwartungshaltung – auch wenn eigentlich nicht viel passiert, baut das Spiel Spannung auf, spielt mit der medialen Konditionierung der Spielenden. Dunkle Korridore und Archetypen aus dem Gruselkabinett tun ihr Übriges. Ebenso zwielichtig und ungewiss wie der Plot und die Charaktere gibt sich die Atmosphäre.

Lässt man sich auf die Führung durch den Vergnügungspark ein und folgt der vorgeschriebenen Abfolge von Genre zu Genre, von Erinnerung zu Erinnerung, ist Get Even eine stabile Inszenierung. Triggerpunkte sind zwar deutlich zu erkennen und Selbstbestimmung ist allein durch den Plot nicht vorgesehen, doch angesichts des Umfangs und der Intention des Spiels, wäre jede Open World hier fehl am Platz. Get Even ist ein wenig (mein irrationales Ich ruft “sehr”) gruselig, was vor allem durch das große Nichts im Raum entsteht. Da sind ominöse Textnachrichten, aber kein definitives Ziel. Da sind kleine Quests, die sich erst spät zu einem großen Ganzen zusammenfügen lassen. Da sind viele Handlungsstränge, doch keiner scheint ein Ende zu finden. Da sind Zellen und Hinterlassenschaften, doch keine Personen. Es gibt nur Vermutungen, doch die Unbestimmtheit und Zweifel dominieren.

Get Even
Get Even
Bizarrer Mix und extrem verwirrend.
Get Even kann einiges. Vor allem zeigt es, was vielen Spielen fehlt und klaut mit einigem Erfolg Ideen. Dass das dennoch funktioniert, macht das nebulöse Abenteuer noch spannender.
Reader Rating1 Vote96
Sehr schöne, realistische Grafik
Angenehme und beängstigende Atmosphäre
Spannender Plot
Interessante Idee, um Spielende zum Weiterspielen zu bewegen
Arg viele Handlungsstränge
Verwirrender Mix aus Genres, der allerdings oft besser funktioniert als erwartet
Oft zu einfach
83
Christina Kutscher hat Get Even auf der Playstation 4 gespielt.
Das Rezensionsexemplar wurde uns freundlicherweise von Bandai Namco zur Verfügung gestellt.
Christina Kutscher

Christina wurde im zarten Alter von acht Jahren an die Playstation 1 heran geführt und hat sie sofort ins Herz geschlossen. Einige Jahre und kurze Abstecher in unbekannte Genre später, spielt sie mittlerweile plattformübergreifend alles, was eine gute Story hat, überdurchschnittlich kreativ ist oder einfach nur Spaß macht und schreibt dann darüber.
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