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TOP 10 – Kein Happy End für diese Spiele15 min read

25. Juli 2017 10 Minimale Lesezeit
Elham Nizam

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TOP 10 – Kein Happy End für diese Spiele15 min read

Reading Time: 10 minutes

Platz 5: The Last of Us

The Last of Us Part 2

Release: 14.06.2013 | Naughty Dog

Nicht grundlos schafft es The Last of Us auf beide Listen. Es wird ein kontinuierlich spannender Plot erzählt, dessen Ende genauso überraschend wie schockierend ist. Auch wenn das Spiel viele Szenen aufweist, die einem das Wasser in die Augen treiben, geht es hier ausschließlich um das Ende. Dass wir in der postapokalyptischen Welt voller Fungus-Zombies nicht unbedingt fröhlich dem Sonnenuntergang entgegen laufen, ist wohl kaum zu erwarten, aber dass wir einem möglichen Heilmittel sogar jegliche Chance nehmen, hätten wir nicht gedacht. Unsere Begleiterin Ellie (und Tochterersatz für Protagonist Joel) entpuppt sich als immun gegen die Seuche, was die Fraktion der Fireflies nutzen möchte, um ein Gegenmittel zu kreieren. Gegen Ende des Spiels befinden wir uns in der Obhut dieser Fraktion. Ellie soll operiert werden, allerdings ist eine Entnahme des Fungus aus ihrem Hirn nicht ohne den Tod möglich. Anführerin der Fireflies, Marlene, gibt dennoch die Erlaubnis zum Fortfahren. Als Joel dies alles erfährt, rettet er Ellie aus dem Operationsraum und, mit dem Wissen, dass sie ihm nur folgen würde, tötet er Marlene. Auf dieser bitteren Note endet The Last of Us. Mit der Ankündigung des Sequels dürfen wir vermutlich bald selbst herausfinden, wie die Fireflies auf den Verlust ihrer Anführerin reagiert haben. Uns bleibt nur die philosophische Frage: Sollte man in dieser Situation das Wohl der Menschheit über das Leben des Einzelnen stellen?

Platz 4: Metal Gear Solid 3: Snake Eater

MGS Snake Eater

Release: 17.11.2004 | Konami

Die Handlung von Metal Gear ist so verworren, dass es nicht möglich ist, das Franchise knapp wiederzugeben. Ab dem dritten Teil, der chronologisch als erster spielt, startet die Saga mit den dramatischen Ereignissen rund um The Boss und Snakes Vater Snake (verwirrend, ist uns bewusst). Die erste Mission scheitert auf katastrophale Weise, wenn Snakes ehemalige Mentorin und amerikanische Heldin die Seiten wechselt und der Sowjetunion beitritt. Nachdem der Antagonist Colonel Volgin dann eine nukleare Explosion auf russischem Boden auslöst, droht der Kalte Krieg in den nächsten Weltkrieg überzugehen. Daraufhin startet die amerikanische Regierung die Operation Snake Eater, die Snake wieder in das Einsatzgebiet schickt. Eine lange, aber emotionale Kampagne mit denkwürdigen Endbossen und viel Schleichen später stehen wir erneut unserer ehemaligen Mentorin gegenüber. Der darauffolgende Kampf ist nicht nur einer der besten Boss Fights aller Zeiten, sondern auch erst später werden uns die tragischen Konsequenzen bewusst. Wie sich herausstellt, war The Boss doch keine Verräterin. Ganz im Gegenteil, sie ist als Doppelagentin in Volgins Organisation eingestiegen, nur um das Erbe der Philosophen (wer nicht weiß worum es hierbei geht, der darf sich erstmal durch das Metal Gear Franchise wühlen) ergattern zu können. Die korrupten Machthaber der Regierung beschließen dennoch ihren Tod. Letztendlich lässt sich The Boss von Snake töten, um so seiner und ihrer Mission zum erfolgreichen Abschluss zu verhelfen. Hier wird die Cutscene pausiert, nur um Spielern die Möglichkeit zu geben, den Abzug zu drücken. Es führt kein Weg daran vorbei, egal wie lange wir warten. Erst am Ende, wenn der neugekrönte Big Boss an ihrem Grab salutiert, merken wir was wir getan haben. Das Ergebnis verfolgt nicht nur uns, sondern ist maßgeblich entscheidend für den gesamten Handlungsverlauf des Franchises.

Platz 3: The Walking Dead Season 1

The Walking Dead

Release: 24.04.2012 | Telltale Games

Diese kleine Spielperle hat sich etwas an uns heran geschlichen. Nachdem der erste Versuch, die beliebte Zombie-Serie zu gamifizieren mehr als nur misslungen ist, hat man bei diesem Spiel zunächst nicht allzu viel erwartet. Wer sich aber trotzdem an das Point-and-Click-Spiel von Telltale gewagt hat, hat zwar kein außergewöhnliches Gameplay bekommen, dafür aber ein exzellentes Adventure rund um eine Gruppe Überlebender während der Zombie-Apokalypse. Im Laufe der einzelnen Episoden treffen wir immer schwerere Entscheidungen, die oft auch mit dem Verlust von Charakteren enden. In diesem Chaos von Tod und Verderben sind Lee und Anhängsel Clementine der Fels in der Brandung. Dass niemand sicher ist, wird uns allerdings dann in der fünften Episode bewusst wenn ein Moment der Unachtsamkeit zum Biss führt. Lee verheimlicht der jungen Clementine zunächst den Biss, um ihr in Sicherheit helfen zu können. Während der letzten Spielminuten werden wir Zeuge von einem der schmerzhaftesten Abschiede in der Geschichte des Abschiednehmens. All das wurde erst ermöglicht durch die gelungene Charakterdynamik, welche im Laufe der Staffel etabliert wurde. Wer bei den fließenden Tränen von Clementine nicht mit der Wimper zuckt, der hat wahrlich ein Herz aus Stein.

Platz 2: Spec Ops: The Line

Spec Ops: The Line

Release: 26.06.2012 | Yager Development, Polygon Magic, Darkside Game Studios

Ein weiteres Spiel, welches sehr überraschend, aber massiv einschlug und ein weiterer Beweis für die Verworrenheit der menschlichen Psyche ist. Die Wüstenmetropole Dubai befindet sich zu Beginn des Spiels nach einem massiven Sandsturm unter riesigen Sanddünen begraben. Viele der Einwohner konnten nicht rechtzeitig evakuiert werden und der Versuch der letzten Einheit unter Führung von Colonel John Konrad, möglichst viele Menschenleben zu retten, schlug fehl. Monate danach wird ein Radiosignal des vermissten Colonels empfangen, woraufhin wir als Spieler die verwüstete Stadt betreten. Umso weiter wir in die Stadt eindringen, desto mehr werden wir Zeuge der vergangenen Geschehnisse. Anzeichen grausamer Kriegsverbrechen sind beinahe allgegenwärtig, die Überlebenden befinden sich in einem Krieg untereinander. Der Trupp von Konrad unterdrückt anscheinend die noch lebende Bevölkerung und setzt Gewalt ein um die Kontrolle zu behalten. Protagonist Walker besteht dabei entgegen dem Ratschlag seiner Begleiter immer weiter vorzudringen und die Ursache für das Chaos zu finden. Dies resultiert nicht nur in zahlreichen Toden, sondern auch in traumatischen Erlebnissen für die gesamte Truppe. Die Konsequenzen der Phosphorattacke werden für immer in unser Hirn eingebrannt bleiben. Die wahre Dramatik wird aber erst am Ende enthüllt. Wie sich herausstellt ist Konrad schon lange verstorben, die bösen Taten des Antagonisten waren nur eine Projektion von Walker selbst, der so eine mentale Rechtfertigung für seine eigenen schrecklichen Taten im Laufe des Spiel zurecht gelegt hatte. Das psychische Traume wurde nur verstärkt durch den starken Wunsch des Protagonisten ein Held zu sein, was dazu führte dass er seine Taten niemals anzweifelte und Konrad ständig als moralischer Sündenbock genutzt wurde. Wir als Spieler werden ebenfalls mit dieser Thematik konfrontiert, immerhin haben auch wir nicht mit der Wimper gezuckt und zahlreiche Leute auf dem Gewissen, nur um das vermeintliche „Böse“ aufzuhalten. Nach der Enthüllung kann das Spiel in vier unterschiedlichen Szenarieren enden, wobei diese alle im Selbstmord, der mentalen Zerrüttung von Walker oder Walker als neuem Bösewicht enden.

Platz 1: Nier

Nier

Release: 22.04.2010 | Cavia

Nier ist ein ganz besonderer Eintrag in dieser Liste. Das Ende hier ist nicht nur tragisch, sondern sogar eine aktive Strafe für den Spieler. Vier Enden hat dieses Werk, die allerdings durch aufeinanderfolgende Spieldurchgänge erreicht werden müssen. Der Plot beinhaltet mehrere Zeitsprünge und erzählt die Geschichte einer fast ausgestorbenen Menschheit, welche nur durch Trennung von Körper und Geist überleben konnte. Die Klonkörper (Replicants), die später die Seelen wieder aufnehmen sollten, haben im Laufe der Zeit allerdings eine eigene Identität gebildet, während die körperlosen Seelen, auch Gestalts genannt, ihnen gegenüber nun feindlich gesinnt sind. Der erste Durchgang endet mit der Realisierung, dass wir eine solche Gestalt sind, angetrieben von dem Wunsch, Yonah, die eigene Tochter, zu retten. Tatsächlich endet dieser Durchgang aber erstmal positiv, mit der Wiedervereinigung von Yonah und Nier. Nach dem zweiten Durchgang erhalten wir etwas mehr Informationen zum Hintergrund, vor allem erfahren wir aber, dass die Replicants keine leeren Hüllen sind, sondern fühlende Wesen, die nur sich selbst und ihre Freunde vor uns schützen wollen. In deren Augen sind wir als Protagonist der größte Tyrann ihres Lebens. Der zweite Durchgang vereinigt Nier und Yonah zwar auch, allerdings nur im Leben nach dem Tod. Beim dritten Durchgang wird es nun aber spannend. Hier werden wir mit einer Entscheidung konfrontiert. Eine unserer Begleiterinnen, Kainé, wird gegen Ende im Sterben liegen und wir haben die Wahl, sie zu retten, indem wir uns selbst opfern oder ihre Qualen schnell beenden. Entscheiden wir uns für das Opfern, werden wir nicht nur sterben, sondern alle Erinnerungen an Nier werden in den Köpfen der anderen Charaktere gelöscht. Allerdings löscht das Spiel dann auch alle Spielstände und zwingt uns sogar dabei zu zusehen. Gerade wenn man diesen Schritt nicht erwartet, sitzt man dann doch mehr als fassungslos vor dem Bildschirm. Desweiteren kann danach auch der Charaktername, welcher für den Spieldurchgang genutzt wurde, nicht für einen neuen Durchgang eingeben werden. Die komplette Existenz wurde gelöscht. Der Nachfolger NieR: Automata setzt nach diesem Ende fort, was die Opferung also als Kanon festlegt. Das Opfer von Nier ist also nicht-existent innerhalb der Spielwelt, obwohl es einen Wendepunkt in der Geschichte darstellt.

Elham Nizam

Ich kann mich zwar nicht mehr daran erinnern, bin aber der festen Überzeugung, dass ich mit einem Gamepad auf die Welt gekommen bin. Spiele aller Art begleiten mich schon mein ganzes Leben und werden auch fester Bestandteil bleiben. Games werden von mir nicht nur durch jahrelange, persönliche Erfahrung getestet, sondern auch dank meines Studiums (Games Engineering) systematisch in ihre pixeligen Einzelteile zerlegt.
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