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Warum Magic Piano scheiße ist5 min read

2. April 2015 4 Minimale Lesezeit
Kai Seuthe

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Warum Magic Piano scheiße ist5 min read

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Dass seit ein paar Jahren Spiele mit käuflich erwerbbaren Zusatzinhalten groß im Rennen sind, weiß jeder. Für die Entwickler vor allem im mobilen Bereich bedeutet dies, mit einfachsten Mitteln schnell Kohle zu scheffeln. Ich sage das mit Absicht etwas abwertend, weil sich in den meisten Fällen nur sehr wenig Mühe gegeben wird, auch den Anspruch eines vollwertigen Spiels zu erfüllen. Bei der überwiegenden Anzahl der Free2Play-Games wird dem User nur ordentlich auf die Nerven gegangen, bis dieser entweder a) Geld ausgibt, um schneller weiter zu kommen, oder b) das Spiel löscht und nie mehr anrührt. Letzteres ist die Aufgabe des Entwicklers, was es zu verhindern gilt. Über dieses Geschäftsmodell kann man sich streiten; in meiner Kolumne habe ich mich damit schon etwas ausführlicher befasst. Heute zeige ich euch ein Spiel, das diese Technik auf den Gipfel treibt und mich dermaßen aufgeregt hat, dass ich am liebsten durch das Smartphone gebeamt wäre, mitten in das Spiel hinein, und überall dicke Kackhaufen hinterlassen hätte, auf denen ich mit Glitter die Nachricht „Finger weg!“ hinterlassen hätte. Drastisch, aber mit Sicherheit einprägsam.

Es geht um Magic Piano. Wuhu, ein magisches Klavier. Das einzig magische an diesem Spiel ist jedoch die Dreistigkeit, mit der dem User kein Spiel geboten wird. Das hat wahrlich etwas Überirdisches.

Magic Piano bestach mich einst mit seiner Pop-Up-Werbung, auf der flinke Finger über einen Bildschirm streichen und dabei farbige Punkte wegdrücken, woraufhin eine schön klingende Melodie ertönt. In diesem Fall war es „Moves like Jagger“. Das Lied zählt zwar bei Weitem nicht zu meinen Favoriten, klang aber durch den halligen Sound des digitalen Konzertflügels echt nett.

Nachdem ich diese Werbung unzählige Male weggeklickt hatte, ergab ich mich der Penetranz und lud mir Magic Piano auf mein Smartphone. Hätte ja auch etwas für die Android-Highlights werden können. Nun ja …

Zunächst offenbart sich mir eine Vielzahl interessannter Songs, die sich spielen ließen. Neben Popsongs, mit denen ich kaum etwas anfangen kann, befanden sich auch einige Klassiker von Mozart, Beethoven und den anderen ollen Männern darunter, die sich ja für das simulierte Klavierspiel am besten eignen. Außerdem, und das machte mich richtig heiß, gab es Songs aus Videospielen! Mario, Zelda, Final Fantasy, alles war dabei.

Aber zugänglich? Natürlich nicht! Etwa zwei Dutzend (von angeblich über 1000) Songs waren tatsächlich Free2Play. Die Auswahl der Titel hielt sich in Grenzen, aber damit kam ich schon klar. Immerhin konnte man beim Spielen XP sammeln und sich somit in höhere Level katapultieren. Wobei katapultieren nicht ganz der richtige Begriff ist, schnecken ist passender. Es dauert Ewigkeiten, bis man den nächsten Level erreicht, zu Beginn des Spiel bekommt man etwa alle zwei Level einen neuen Song. Das ist noch motivierend, aber das hört rasch auf. Irgendwann tritt man auf der Stelle, tolle Final Fantasy-Songs befinden sich unter anderem auf Level 99. Mit der regulären Spielweise wäre ich ungefähr 2020 dort. Ich bin zwar geduldig, so gedudlig dann aber auch wieder nicht.

Also spielte ich zunächst alle Songs durch. Neben einigen bekannten Lieder ist vor allem viel selbst produzierter Schrott dabei. Dermaßen innovationslose und langweilige Lieder habe ich noch nie gehört. Selbstredend, dass die besten und bekanntesten Lieder Geld kosten. Dazu aber gleich mehr.

Magic Piani Ingame

Die Lieder gibt es in drei Schwierigkeitsstufen, wobei die erste Stufe so leicht ist, dass sogar mein Neugeborenes dabei die höchste Punktzahl erreichen könnte. Hinzu kommt, dass jene Punkte, die vom Bildschirmhimmel regnen, nicht mal exakt getroffen werden müssen, es reicht bereits, wenn man sie schief anguckt, um erfolgreich zu sein.

Natürlich bin ich heiß auf die Gaming- und Filmsongs. Also schaue ich mal vorsichtig, wie ich an mehr Smoola, so der Name der Ingame-Währung, kommen kann. Magic Piano hat da ein perfides System: Mit ein paar Klick komme ich zur internen Seite, wo sich ein ganzes Bataillon an Werbepartnern aufreiht, die mir ein paar Smoolas versprechen, wenn ich ihr Spiel runterlade, installiere und spiele, den so und so vielten Level erreiche, wenn ich an einem Gewinnspiel teilnehme, mir online eine Pizza bestelle, Poker spiele, mich bei T-Mobile registriere, mir Prepaid-Karten für das Handy bestelle, an einer Umfrage teilnehme und dergleichen. Eine schier endlose Liste an mehr oder weniger zwielichtigen Angeboten. Man kann den Ehrgeiz haben, diesen Dingen zu folgen, sich sein Smartphone vollzuknallen mit Apps, um ein paar Smoolas zu verdienen, aber ob das die Mühe wert ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Gottseidank bietet Magic Piano noch eine andere Option an. Da steht etwas von 4,99 Euro, die ich bezahlen kann, um alle Songs freizuschalten. Ich klicke drauf, weil ich dumm bin, und sehe, dass man damit ein monatliches Abo abschließen kann. Wie lange das anhält, ob ich aus dem Vertrag wieder raus kann oder für zehn Jahre daran gebunden bin, davon steht nirgendwo etwas. Also lasse ich die Finger davon. Ich könnte natürlich versuchen, alle Smoolas durch die Angebote zu verdienen, aber leider, leider gibt es auch noch VIP-Songs, auf die ich nur zugreifen kann, wenn ich Abonnement bin. So ein Ärger aber auch.

Magic Piano tut alles, um sein bescheidenes Spielchen besonders interessant zu machen, indem die angebotenen Songs zu Raritäten deklariert werden. Wer in den „Genuss“ aller Lieder kommen möchte, der muss ordentlich in die Tasche greifen oder dutzende Apps auf sein Gerät laden, seine Daten preisgeben, um danach ordentlich mit Emails vollgespamt zu werden. Natürlich gibt es die meisten Smoolas nur für Angebote, bei denen man einen Vertrag in irgendeiner Art und Weise abschließt.

Magic Piano ist Abzocke und legt nur Wert darauf, möglichst viel Geld zu verdienen (auch über seine Werbepartner) und hegt in keinster Weise den Anspruch, seinen Usern Freude zu bereiten. Finger weg!

Kai Seuthe

Kaius spielt seit der Grundschule und wird das auch noch im Altersheim tun. Er ist als Let's Player KiltKaius unterwegs, schreibt Bücher und macht noch viele andere kreative Dinge. Retro-Spiele mag er, Rechtschreibfehler nicht. Darum kümmert er sich auch darum.
One Comment
  1. Inger Nilson

    Hi, ich bin die echte inger nilson. Ich finde magic piano auch volk doof. Wie komponiert man sein eigendes lied?

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